Home / Allgemein / Der Superlativ

Der Superlativ

02.08.2010 | 8 Kommentare

Liebstes Tagebuch!

Wie die Zeit vergeht! Mir kam’s vor, als ob ich erst vor ein paar Tagen zum Stift (ok – zur Tastatur) gegriffen hab, dabei ist schon wieder fast ein ganzer Monat ins Land gezogen! Irgendwie könnte der Tag 48 Stunden haben – und ich komm trotzdem nicht hinterher. Aber gut.

Ist Dir in den letzten Monaten was aufgefallen? Der Superlativ hat uns den Krieg erklärt. Und zu sagen, er stünde schon vor den Stadtmauern, wäre eine leichte Untertreibung. Soweit das Auge reicht wimmelt es von Star DJ’s, Supermodel DJ’anes, den besten und exklusivsten Events und den einzigartigsten Kombinationen eben genannter. Und das schlimmste: die meinen das wirklich ernst!!!

Fangen wir mal mit der Definition oben genannter Floskeln an. Was genau ist ein Star DJ? Also meiner bescheidenen Meinung nach verdient diese Bezeichnung ein David Guetta. Tiesto. Väth (auch wenn er meint er sei Underground, aber das ist wieder eine andere Diskussion). Cox. Novy. Und so weiter… Ok, ich denke wir haben nen Konsens gefunden. Aber – Philipp van het Veld ist kein Star DJ. Tom Snow auch nicht. DJ Observer auch nicht. Ronaldo auch nicht (und bittebitte nicht wieder als Anfeindung verstehen, bittebittebitte mit ganz viel Zucker oben drauf!). Und die ganzen hirnverbrannten Dilettanten, die sich selbst als “Upcoming Star DJs”, die “bereits im zarten Alter von HALTDIEFRESSE durch den Papi mit elektronischer Musik in Berührung gekommen sind”, deren “Liebe zur elektronischen Tanzmusik sich so schnell entwickelt hat”, dass sie sich “den langersehnten Traum zweier Turntables erfüllt haben” und so “den Grundstein für die lange und erfolgreiche Karriere als DJ gelegt haben” (ähm… what?!), jene, die die Biographietexte Copy & Pasten, schon gleich zweimal nicht. Ich meine, glauben manche Leute wirklich, dass das Publikum auf so ne Scheisse reinfällt?

- “He Mausi, gemma heit in den Voga, da spielt STAR-DJ Futnelda Hackebeil!”
- “Klar, von dem hab ich zwar noch nie was gehört, aber wenn die sagen das der ein STAR is gemma gemma voiiigaaaas!!!”

Ich mein, come on. Ok – wenn auf ’nem Flyer steht “mit einem der besten DJs des Landes” mag das im Falle einiger weniger wirklich zutreffen. Aber in den meisten Fällen kostet das nur ein müdes Lächeln. Und das Schlimmste: es ist mega peinlich und rückt jeden noch so talentiereten DJ in unglaubwürdiges Licht. Und wenn wir hier schon diejenigen nennen, die definitiv keine Stars sind (auch wenn sich einige zuweilen so aufführen) sollten auch ein paar Einheimische genannt werden, die das bereits erreicht haben. Das fängt dann z.B. bei den Herren Kruder und Dorfmeister an, und geht über Peter Rauhofer bis hin zu den Global DJs, die alle wirkliche Hits hatten. Wobei man selbst hier mit der Bezeichnung “Star” vorsichtig sein muss, Grammys hin oder her. Was ich damit sagen will – es nervt einfach überall das Wort “Star” zu lesen, denn keiner von uns ist ein Star. Bei weitem nicht. Und ich als Gast diverser Veranstaltungen komm mir echt verarscht vor, wenn ich zu einer Party mit vermeintlichen Star-DJs eingeladen werde. Lobt Eure DJs in den Himmel, aber bitte adäquat!

Kommen wir zu den Supermodel DJanes. Also, bis auf die Gitta (ich mein die Sax Gitta. Warum hat die eigentlich nicht an eine Karriere an SAXophonistin gedacht?) fällt mir hier eigentlich niemand ein (wobei, “DJ” Gitta… naja.). Entweder sind sie Models (in den seltensten Fällen Supermodels, denn welches erfolgreiche Supermodel muss sich ihre Brötchen schon als talentbefreite Djane verdienen?!), wobei man auch bei der Bezeichnung „Model“ des Öfteren das ein oder andere Auge zudrücken muss. Oder eben DJanes. An dieser Stelle hab ich echt ein paar böse Gedanken, aber da ich die Aufbereitungsstätte meines genetischen Materials gerne vor Stöckelschuh-Angriffen schützen möchte, enthalte ich mich an dieser Stelle.
Obwohl – ich frag mich wirklich was ein alterndes, abgehalftertes Ex-Model dazu bewegt, DJ zu werden! Ich meine, offensichtlich brauchen sie nen neuen Job, weil der alte keinen Schotter mehr abwirft. Aber warum ausgerechnet die Musik? Haben die Konkubinen im achtzehnten Jahrhundert auch angefangen neben Mozart Arien und Opern zu schreiben nachdem sich keiner mehr für sie interessiert hat? Eben! Und warum dann heute? Können die uns die nicht verschonen und einfach ne Ausbildung zum Maurer, Elektriker oder zur Sekretärin machen? Da hätten sie dann wenigstens was mit Nachhaltigkeit! Auf jeden Fall setzt man sich akuter Augen- und Ohrenkrebsgefahr aus, also bitte mein liebes Tagebuch – überleg Dir gut ob und wenn, wie oft Du Veranstaltungen mit SUPERMODEL DJanes besuchst!

Weiter geht’s. Die exklusivsten Clubs sind komischerweise immer die, bei denen man sich nach Betreten der Lokalität denkt “hmm, kommt mir irgendwie bekannt vor, da schaut’s doch aus wie im XY”. Und bereits da liegt der Hund begraben. Also – wozu einen Club “an der Schnittstelle von Passage, Skykitchen und Box” machen, wenn’s das alles schon gibt? Wozu einen “einzigartigen, noch nie dagewesenen Laden und/oder Party in weißem Leder” machen, wenn die Passage bereits seit 7 Jahren aus weißem Leder besteht? Warum “Model & Fashion Partys” schmeißen, wenn sich die Box das schon auf die Fahne geschrieben hat? Die Liste könnte man echt ewig fortführen. Ich meine – ich begrüße die Clubvielfalt die es mittlerweile in Wien gibt, und auch den Mut der Macher. Aber Mut alleine reicht eben nicht. Und Cash auch nicht. Plagiate haben noch nie funktioniert, und daran wird sich auch nichts ändern. Ideen müssen her! Die Skykitchen hat eindrucksvoll bewiesen, das es funktioniert!

Abschließend: Man stelle sich Star DJ Futnelda Hackebeil gemeinsam mit Supermodel DJane Tschulia Fliegl gemeinsam bei einer “Models and Bottles Night” im exklusiven Whiter Leather Club “The Skyllfyssage” vor, die laut Pressetext “die atemberaubenden heiligen Stätten des Skyllyssage mit den feinsten und erlesensten Housebeats, die die Stadt, quatsch, das Universum jemals gehört hat, in Exstase und die geilste Ibiza Party die die Welt je gesehen hat mit den Schönsten und Reichsten bis zum Morgengrauen in Ausnahmezustand versetzen werden”. (die Namen sind rein fiktiv und frei erfunden, jedwede Ähnlichkeit zu realen Personen sind rein zufällig). Noch Fragen?

Auf bald, liebstes Tagebuch.

Philipp

PS: Ein kleiner Nachtrag. Wie du ja bestimmt schon vernommen hast ist meine neue Single “Jump On” featuring der einzigartigen Joy Malcolm und unserem wahnsinnigen Haudegen Emiliano seit 23.07. auf Zooland Records veröffentlicht. An dieser Stelle ein riesen großes DANKE an alle, die bei der Releaseparty in der Box dabei waren. Es war eine unglaubliche Sause und ein standesgemäßer Einstand der Single wie ich finde. Ab sofort ist die Single mit Remixen von BekToBek, Steve H. und Tim Anderson in allen bekannten Stores wie z.B. iTunes erhältlich – wenn du das Teil also noch nicht hast, nichts wie ab zum mp3-Dealer deines Vertrauens! Video, Making of und noch einige andere lustige Videos sind selbstverfreilich auch auf youtube zu finden. Auffi gehts!

Antwort schreiben 91432 Aufrufe gesamt, 1 Aufrufe heute  
Diskussion verfolgen

8 Kommentare

  1. langweilig - schon wieder einer der seinen senf dazu gibt ohne den eiern, seinen namen dazu zu schreiben. das sind mir die liebsten kritiker. du hast mir eben ein schmunzeln ins gesicht gezaubert - danke dafür :)

  2. Anonymous

    Langweilig. Alles Wissen - Nur nichts besser..

  3. mein geburtstagsgeschenk? ich glaub ich steh ein bissl am schlauch.

  4. Anonymous

    haha ;) sehr cool, alles liebe dein geburtstagsgeschenk

  5. The Rob

    Wieder ein sehr guter Beitrag, aber geht es da nicht um ein viel größeres Problem bzw. um eine Marketing-Technik? Letztendlich verkauft man im Veranstaltungsgeschäft ja auch bloß ein Produkt, manche mit mehr und manche mit weniger Originalität und Ideenvielfalt.

    Und wenn ich einen Flyer gestalten würde, dann würde ich auch auf den Putz hauen und mit Superlativen nur so um mich werfen. Wer will denn schon folgende Eventbeschreibung lesen: “Mittelprächtiger Dj, wird krampfhaft mit Happy-House und Evergreens versuchen das träge, fade Publikum zum Tanzen zu animieren. Obendrein findet das Ganze in einem Loch statt! Den Besuchern wird nahegelegt nicht zu laut zu sein, da beim Sound wieder mal gespart wurde, und die Tontechniker schon heilfroh sind, wenn sie es einmal schaffen, dass die Boxen nicht ab 60dB verzerren.”

    Für mich liegt das eigentliche Problem, darin dass diese ganzen Kids nicht hinterfragen was tatsächlich gut ist und was nicht. Dass sie auf marktschreierische Flyer reinfallen stört mich nicht allzu sehr.

    Und ich will auch niemandem auf den Schlips treten, aber was mich persönlich oft wundert ist wie viel Selbstbewusstsein manche Leute an den Tag legen, wenn sie ihre selbst gemacht “Tracks” ins Netz. Ehrlich gesagt ob es zu viel Selbstbewusstsein ist oder doch nur mangelnde Selbstreflexion, sei dahin gestellt. Aber liebe Nachwuchs-DJs, - Producer, - wie auch immer euch alle nennt: Bitte verschwendet keinen Webspace mit Tracks die sich keiner anhören kann, weil sie dermaßen scheiße sind, dass man innerhalb kürzester Zeit in eine Rage verfällt, die um einen herum alles vergessen und blindwütig den Laptop-Bildschirm einschlafen lässt.

    Bitte tut das meinem Laptop nicht an!

  6. chris

    ich würde mal sagen als STAR DJ kann man sich dann bezeichnen wenn man RELEASES besitzt (schon lange nicht mehr selbst gemacht, leider) die sich INTERNATIONAL etablieren! …

    Das andere: Sicher gibt es einige da draußen die sich schon als STAR selbst sehen, nur weil sie zB einen Std-Satz ab 70.- kassieren… Diese Kat. an DJs kann man aber sicher an einer.. maximal 2 Händen abzählen. (eh eigentlich zu viel)
    denke aber auch das der “Alkohol” hier eine große Rolle der Selbsteinschätzung einnimmt :)

    Ich finde man sollte aber gar nicht so viel die DJs kritisieren .. mehr den Promoter - der diese als STARS verkauft oder es versucht zuverkaufen!

    Aber im Falle so mancher Biografie kann ich dir nur einstimmig zu stimmen! STRG C / STRG V..
    “im zarten alter von .. kam er/sie in berührung mit elektronischer musik..”
    by the way .. wer hörte nicht so manchen elektronischen Sampler!

    see ya @ The Skyllfyssage :)

  7. sunshine

    also ich find auch einiges sehr sehr treffend.
    zu unseren sogenannten heimischen “star-djs” muss ich aber auch sagen, dass sie sich gerne selber zu sehr feiern. teilweise sehr unpassend!! ok, wenn ich selbst was produziert habe und das dann in der öffentlichkeit feiere - mehr als OK - aber die, die eigentlich von anderen musik auflegen und selbst noch nie etwas musikalisches wertvolles zustande gebracht haben - NÖÖÖÖ , bitte nicht!
    zum punkt mit den nachgemachten veranstaltungen - naja - geldmacherei - funktioniert aber e ned - also lasste es gleich!
    dafür, die veranstalter die was neues versuchen, werden leider vom verwöhnten wiener publikum mit nicht erscheinen gestraft. wenn es keinen VIP und keinen gratis eintritt wegen der bussi bussi- liste gibt - da geht ja dann keiner hin!
    andererseits für leute wie meinereiner, super sache - denn wenn die “möchtegern”-meute aus bleibt, dann kann der rest gepflegt guter musik lauschen und in netter runde feiern!

    over and out
    sunshine

  8. Partymaus

    Hahahahah endlich einer der sagt wie es ist! Österreich hat wirklich viele gute DJS, aber nicht alle sind STAR-DJS. Geht ja gar nicht: Wenn alle Stars sind… dann ähh… ja dann gibts ja keine Stars mehr.

    Hahaha ich zerbrösel mich gerade.

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.