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Disko Dialoge Teil 01 - Jean Claude Ades a.k.a. JCA

30.08.2010 | 1 Kommentar

Mein Liebes Tagebuch! 

Wie die Zeit vergeht! Der Sommer ist fast vorbei, der Herbst nähert sich mit Siebenmeilenstiefeln und Weihnachten steht schon wieder fast vor der Tür. Ich kann’s kaum erwarten mir in 3 Wochen schon die Schoko-Nikoläuse zu kaufen… NOT.

Zeit für Veränderung. Also ist an der Zeit auch hier, im Tagebuch, mal was zu ändern bzw. eine kleine Neuerung einzuführen.  

Da ich ja hin und wieder mit international bekannten Musikanten um die Wette musizier dachte ich mir, ich verwickle eben jene ab und an in ein kleines Gespräch unter Musikschaffenden. Mitten im Club. Disko Dialoge sozusagen. Über dies und jenes. Hier nun also der erste Teil der “Disko Dialoge” mit einem sehr illustren Gast.

Darf ich vorstellen – Jean Claude Ades a.k.a. JCA. Ab dafür. 
 

Philipp: Sag mal, ich kenne die Frage von mir selber, es vergeht kaum ein Tag an sie mir nicht gestellt wird - deswegen freu ich mich das ich den Spieß jetzt mal umdrehen kann: ist “Jean Claude Ades” dein echter Name? 

JCA: Yepp, mein Papa ist Franzose, meine Mama kommt aus Deutschland, ich bin in Italien aufgewachsen und lebe in Deutschland. Der Name ist also wahrscheinlich sehr von meinem Papa beeinflusst! 

Ich kenn das - ich bin geboren in Innsbruck, aufgewachsen in Amsterdam und Deutschland, in Deutschland maturiert und in Wien studiert… 

…jaja, gleicher Weg! 

Ich hab im Vorfeld unseres Gesprächs einen kleinen Aufruf auf Facebook gestartet und die Leute gefragt, was sie gerne über dich erfahren würden. Eine der am häufigsten gestellten Fragen war, was du eigentlich gelernt hast und wie du zum auflegen gekommen bist? 

Also, ich hab einen ganz normalen Realschulabschluss, kein Abitur. Nach der Schule hab ich dann eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann gemacht, einfach um was anständiges zu haben. Ich hab aber sehr früh schon mit dem Klavierspielen begonnen, Musik war also schon immer allgegenwärtig und außerdem war mein Papa auch Künstler. Mit 15 bin ich dann nach Deutschland gekommen und bin so langsam ins Nachtleben eingetaucht. Vorerst gegipfelt hat das ganze dann als ich 5 Jahre lang einen eigenen Club in Ulm hatte, der Chris Montana war da zum Beispiel mein Resident DJ. Und naja, ich hab dann hin und wieder, so ca. einmal die Woche auch selber an den Plattenspielern hantiert und war quasi auch so eine Art Resident in meinem eigenen Club. Nebenher hab ich dann schon mein Studio langsam aufgebaut, meinen ersten Sampler hab ich beispielsweise mit 19 gekauft. Ich wollte aber nie als DJ im Vordergrund stehen, sondern eher der Mann hinter den Kulissen sein, der, der die Hits produziert und im Hintergrund die Fäden zieht. Und das hab ich dann auch gemacht, zum Beispiel im Pop-Bereich. 

Was hast du da u.a. gemacht und wann kam dann so dein persönlicher Breakthrough? 

Ich hab Musik für Soap Operas komponiert und geschrieben, verschiedene Dance Projekte bei Majors produziert usw. Ziemlich viele Dinge bei denen man gar nicht weiß das JCA dahintersteht - aber so war am Anfang ja auch der Plan. Die eigenen Sachen kamen mehr so nebenher, bis dann 2001 meine Platte “I begin to wonder”  ein absoluter Hit wurde, mit der Scheibe ging’s dann so richtig los eigentlich. Die kam damals aber noch als JCA, ich wollte irgendwie noch immer nicht in den Vordergrund und daher auch meinen echten Namen noch außen vor lassen. Aber durch den kommerziellen Erfolg von “I begin to wonder” musste ich dann irgendwann massig Interviews geben, auf Tour gehen, Festivals spielen - das hat dann dazu geführt das ich doch großen Gefallen daran gefunden hab auf der Bühne im Rampenlicht zu stehen und mich damit dann ganz gut angefreundet hab! 

Also kam die Initialzündung als DJ zu arbeiten und regelmäßig auflegen zu gehen eigentlich durch den ungeplanten Hit? 

Ja, im Prinzip schon. Ich hab dann einfach auch eine Nummer nach der anderen raus geknallt, bin viel auf Tour gewesen und hatte dann irgendwann auch gar kein Problem mehr damit meinen eigenen, wirklichen Namen drauf zuschreiben. Ich hab mich ja immer mehr als Produzent gesehen, weniger als DJ. Aber mittlerweile steht’s so bei 50:50. 

Bei mir war’s immer andersrum. Ich wollte eigentlich immer nur der DJ und Entertainer sein, weniger der Produzent. Aber ich hab dann irgendwann eingesehen, dass das eine ohne das andere langfristig und auf internationale Sicht nicht geht und hab quasi aus der Not eine Tugend gemacht. 

Man muss einfach beides machen, es ist wichtig eine Balance zwischen beidem zu finden. Es ist zwar schwierig alles unter einen Hut zu bekommen, das Touren, Studioarbeit, vor allem wenn man im Studio auch alles selbst macht… 

Das heißt du produzierst alles selbst? Mittlerweile kann man ja kaum noch sagen wer von den Stars da draußen wirklich noch selbst im Studio sitzt und wer ein ganzes Konsortium an Produzenten hat, die die Hits produzieren, dann aber nen anderen Namen drauf schreiben. Populärstes Beispiel: David Guetta. 

Jaja, ein grosser Teil der erfolgreichen DJs da draußen können heutzutage nicht mehr viel im Studio. Das ist wie früher Milli Vanilli, die haben auch nicht selber gesungen. Die haben zwar einen Grammy gewonnen, aber als raus kam das die gar nicht selber gesungen haben, haben sie denen den Grammy auch wieder abgenommen….  

Ne oder? 

Doch doch, klar! 

Hahaha, das wusste ich gar nicht! Aber wie stehst du persönlich zu dem Thema Fremd-produzieren, Beispiel David Guetta? 

Also, es ist irgendwie schon so wie wenn ein Sänger nicht selber singt. Wenn einer sein Handwerk eigentlich nicht beherrscht, die Hits weder selber geschrieben, gesungen noch produziert hat, und sich dann nach außen hin aber feiern lässt finde ich das schon ungerecht denen gegenüber, die echt was drauf haben. 

Es gibt in Wien auch ein paar DJ’s die nach außen hin die großen Stars markieren und sich mit der Arbeit anderer rühmen, selber im Studio aber so ziemlich gar nichts können. Bist du der Meinung die sollten sagen “Schaut’s her, ich bin ein guter DJ, aber das produzieren überlasse ich dem der Ahnung davon hat. Jeder gibt seinen Teil damit das ganze funktioniert.”  oder sollten die sich wirklich als die großen Macker verkaufen um den letzten Funken Authentizität zu wahren? 

Ich finde man sollte da ganz ehrlich sein, ist ja auch nichts dabei. Jeder hat andere Qualitäten, und wenn sich dann zwei zusammen schließen hat auch jeder was davon. Man sollte ehrlich sagen “Pass auf, ich bin der DJ und ich hab da jemanden im Background, der macht das im Studio. Ich bring zwar Ideen mit ein, beherrsche aber das Handwerk an sich nicht & lass das lieber wen machen der sich auskennt.” Es gibt auch so Phänomene, die können nicht produzieren, nicht auflegen und sind trotzdem mega erfolgreich. Das sind die, die nach außen hin eine Lüge verkaufen und so tun, als ob sie die Oberchecker wären. Ich finde’ das dreist.  
 
Viele Junge Newcomer ziehen genau daraus ihre Motivation und Inspiration. Was inspiriert dich? 

Es gibt eigentlich keine wirkliche Inspirationsquelle oder so. Was mich inspiriert ist die Musik die ich kaufe und die Promos die mir zugeschickt werden, die Tunes die ich dann spiele und bei denen ich merk das sie beim Publikum gut ankommen. Außerdem natürlich das Auflegen und Touren an sich. Wenn man viel reist und viel unterwegs ist, fängt man das Feeling der einzelnen Orte ein und nimmt das dann mit nach Hause ins Studio. Aber im Prinzip setze ich mich meistens hin und fang aus dem nichts an. 

Hast du schon einen Plan nach der Karriere als DJ? 

Also, ein bisschen Zeit hab ich ja noch. Aber so in den nächsten 5 bis 10 Jahren werde ich auf jeden Fall ein paar neue Künstler aufbauen, vielleicht eine Agentur gründen. Aber auf jeden Fall als Produzent im Hintergrund bleiben, was ja eigentlich schon immer der Plan war.  

Kannst du dir ein Leben ohne DJing, Touren etc. überhaupt noch vorstellen? 

Schwer, wenn du einmal Blut geleckt hast…. Wenn ich jetzt zum Beispiel zwei Wochen am Stück zu Hause bin, dann fängt’s schon an zu brennen und ich krieg’ Fernweh. Aber ich glaube wenn du Familie und Kids hast, kommst du auch ein wenig runter. Ich kann mir zwar nicht vorstellen mit 50 nicht mehr aufzulegen, aber in dem Alter eine Tour zu spielen so wie heute auch wieder nicht. Mit 50 dann vielleicht einen fetten Gig pro Monat, eine coole Show alle paar Wochen. Das kann man dann richtig genießen und ab und an die Sau raus lassen, das reicht dann auch für den ganzen Monat. Aber gar nicht mehr zu reisen und aufzulegen kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich krieg’ Fernweh und Platzangst wenn ich nur zu Hause bin, es ist wichtig auch hier eine Balance zu finden. Neue Sachen testen, neue Trends entdecken, inspirieren lassen - wenn das nicht geht bin ich frustriert. 
 
Was denkst du ist wichtig für Nachwuchs-Produzenten und Newcomer DJs damit’s auch mal mit der eigenen Tour klappt? 

Das wichtigste an einer guten Produktion ist, das sie Outstanding ist. Qualität wird sich immer durchsetzen, ganz egal was. Viele Leute kopieren, das ist aber genau der falsche Weg. Da bist du dann nichts weiter als ein Plagiat. Man sollte das eher so sehen: Der XY hat das und das so gemacht, alles klar - das mach ich nicht. Kopieren ist scheiße. Am Ende des Tages zählt die eigene Handschrift, ein eigener Stil. Und es muss einfach fett sein. Man darf sich nicht von anderen beeinflussen lassen. Gute Sachen setzen sich immer durch, Punkt. Also: Erstens, man muss das technische Knowhow lernen, die Grundlagen. Zum Beispiel auf einer Engineering School. Da lernt man wie die ganzen Kisten funktionieren, Basics eben. Und die kann man dann für sich selbst umsetzen wie man will. Zweitens, man muss ne eigene Handschrift und einen eigenen Stil entwickeln. Sich inspirieren lassen ist keine Frage, kopieren ist nicht gut. Und drittens, lass die Finger von den Mädls weg. 

Ein schönes Schlusswort. Fast. Fehlt nur noch das obligatorische “Was kommt als nächstes von JCA?”! 

Es gibt Ende August eine neue Platte auf Great Stuff mit Remixen von Pleasurekraft und Loko, ein junges Talent aus Argentinien. Dann gibt’s bald noch eine Single mit Sam Obernick und bereits erschienen ist eine Great Stuff Compilation die ich gemixt hab, beides auf Sony. 

Wunderbar. Und jetzt gemma einen Heben. 

Auf jeden Fall! 
 
 
Und wie wir einen Heben waren. Feierei mit dem JCA macht Spaß - sein Set war vom feinsten & ich freu mich auf das nächste Wiedersehen! Und jetzt werde ich meinen kleinen Ausflug in die Slowakei mit Tiesto und Philipp Straub vorbereiten, in ein paar Stunden gehts schon los. Mal kucken oder der Tiesto auch so gesprächig ist – ich werde mich bemühen. Und wenn nicht – dann berichte ich einfach so von der Show und allem drum und dran. Also liebes Tagebuch - wir lesen und bald!

Hab dich lieb! 

Philipp

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Ein Kommentar

  1. Sophie

    Na, wo bleibt dein neuer Eintrag? :)

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