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Von fremden Federn und schmucklosen Tätern

19.01.2011 | Keine Kommentare

Liebes Tagebuch!

Neulich in einem Wiener Club: Ein nicht ganz unbekannter Wiener DJ legt grad auf - sieht mich - und winkt mich zum Pult. Na dann - auf in Richtung DJ-Bereich. Nach einem Handschlag und der obligatorischen Frage „Na, wie geht’s?“ folgt schon während meiner Antwort auf diese Floskel der Spruch: „Hör mal! Die nächste Nummer, die ich spiel, ist von mir!“ Ich dachte „Coolio. Bin gespannt.“ Aber schon während dem Übergang kommen mir die neu hinein gemixten Beats irgendwie bekannt vor. Hmm. Ich wusste zwar nicht genau was es war, war mir aber sicher die Nummer schon mal irgendwo gehört zu haben. Ich warte also mal geduldig ab – vielleicht täusch ich mich ja! Der Übergang ist vorbei, das Break setzt ein. Jetzt weiss ich es wieder! Das ist doch ein Bootleg (Anmerkung: Bootlegs sind eine Art Remix, aber inoffiziell und unveröffentlicht, die rar und unter DJs seeeeehr beliebt sind), das ich vor ein paar Wochen zusammen mit einem Promotion-Package geschickt bekommen hab! Ich frage also nach, vielleicht hat sich mein Kollege ja mit der Nummer auf der CD geirrt. Ich also: „Ohne Scheiß, das Bootleg ist echt von Dir?“ – „Ja Mann! Selbst gemacht, echt geil oder?“ Irgendwie will ich sagen „Geil, ich wusste ja nicht das du unter dem Namen Tristan Garner auch Bootlegs machst!“ (Anmerkung: Tristan Garner ist ein nicht unbekannter junger DJ und Produzent, dessen Bootlegs sich international großer Beliebtheit erfreuen & der eine nicht unerhebliche Anzahl von Platten-Veröffentlichungen vorweisen kann) - denk mir aber lieber meinen Teil, schmunzel, nicke ihm zu und widme mich wieder meinem Drink. Der ist zumindest Ernst zu nehmen.
So. Ist mein Kollege tatsächlich so dreist zu hoffen, ich kenne das Teil nicht? Hält er mich vielleicht für total Banane? Nein, so betrunken war ich auch wieder nicht. Oder will er sich einfach nur mit fremden Federn schmücken, um ein Kompliment zu erhaschen? Man(n) weiß es nicht.

Noch “besser” machte es ein junger DJ, nennen wir ihn Klaus-Dieter, der gemeinsam mit einer Sängerin in einem Club in Tirol auftrat. Kurz nach Klaus-Dieters Gig in Tirol bekam ich einen Anruf vom Resident - ein alter Bekannter von mir. Er meinte „Alter, du weißt schon das Klaus-Dieter durch die Gegend läuft und einen neuen Track spielt von dem er erzählt, er hätte ihn produziert?“ Ich antwortete: “Nein, weiss ich nicht. Wo ist das Problem?” - “Naja! Der Track den er vorgibt produziert zu haben klingt nicht nur wie deiner, sondern IST deiner!” Ich war echt perplex. Sprachen wir von derselben Nummer? Nach kurzem Vergleich stand fest: Yap, taten wir. Besitzt diese Pissnelke Klaus-Dieter (ein junger Wiener Möchtegern-Nachwuchs-DJ) doch glatt die Frechheit, eine Promo von mir zu nehmen und diese als seine auszugeben. Pech nur - oder besser gesagt: zum Glück! - hatte mein befreundeter Resident DJ aus Tirol die gleiche Promo-CD bekommen. Was geht denn überhaupt?! Ma… ähm Klaus-Dieter mein ich natürlich… Hormonstau? Vollrausch vom Radler? Werd erwachsen Kleiner. Und zwar schleunigst!

Ich bin ja normalerweise echt ein Freund der Harmonie. Aber: Wenn ich so etwas noch mal mitkrieg, dann spielts Granada OIDA!!! Ich werde mich künftig nicht mehr scheuen, Namenslisten dieser Pisser hier nieder zu schreiben. Denn: Jemanden im Hintergrund zu haben, der produziert, mischt, mastert oder einfach Co-Produziert ist ja kein Ding. Selbst viele der großen Star-DJs haben Producer im Hintergrund, weil sie durch das ständige Touren gar keine Zeit zum Produzieren haben. Oder es schlicht nicht können. Es gibt Künstler, die grandiose DJ’s sind, aber dafür schlechte Produzenten – und jemanden haben, der ein grandioser Produzent ist, aber keine Lust hat jedes Wochenende im Club zu stehen. Wenn die dann zusammenarbeiten und jeder das tut was er am besten kann entsteht eine tolle Synergie, gegen die man nichts sagen kann und darf. Warum auch?!
Aber: Durch die Gegend stolzieren, mit der Arbeit anderer hausieren gehen und dann noch einen auf dicke Hose machen – das geht einfach gar nicht! Vor allem dann nicht, wenn man selbst wenig bis nichts leistet. Und wie ich einen Teil der Wiener DJ-Gemeinde so kenne, wird’s nicht lange dauern bis ich dir, liebes Tagebuch, den ein oder anderen Namen verraten werde. BIG-PIPO is watching YOU!

Bis bald liebes Tagebuch, in zwei Wochen werde ich dir wieder einen Besuch abstatten!

Philipp

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