Home / Allgemein / Die Weltherrschaft unter Facebook

Die Weltherrschaft unter Facebook

27.05.2011 | Keine Kommentare

Mein liebes Tagebuch!

Was soll ich sagen. Irgendwie beginnt jeder Eintrag aufs Neue mit einer Entschuldigung, warum ich Dich schon wieder soooo lange vernachlässigt habe. Und jedes Mal sag’ ich Dir, wie busy ich bin. Und jedes Mal verzeihst Du mir. Ach, Du bist einfach das beste Tagebuch, das es gibt!

Allerdings muss ich sagen, dass sich in letzter Zeit nicht viel getan hat. Zumindest nicht viel, wovon es sich zu berichten lohnt. Es sind zum Teil immer noch die gleichen Dilettanten am Werk, es werden in der Regel noch immer bestimmte Stümper dafür bezahlt, uns ihren grausamen Musikgeschmack in unglaublicher Lautstärke um die Ohren zu hauen und es gibt noch immer dieselben “Ich-wäre-gerne-Model-oder-Fotografin-oder-einfach-nur-ein-Star-aber-ich-kann-eigentlich-nichts-ausser-doof-sein”-Schlampen unterwegs. Glaubt wirklich jedes Mädl, das sich eine Spiegelreflex leisten kann, sie sei Fotografin? Oder jedes Mädl, das (Halb-)Nacktfotos online stellt, sie sei Model?

Ist Dir das auch aufgefallen? Seit soziale Netzwerke wie Facebook die Weltherrschaft an sich gerissen haben, glaubt offensichtlich jeder Zweite, er (oder sie) könne ein Star werden. Je mehr “Friends”, desto geiler bin ich. Ein Krieg um die Gunst (oder hier besser: die “likes”) der sogenannten “Freunde” bricht tagtäglich aus. Manche (leider überwiegend) Damen der Schöpfung geben Dinge und Fotos von sich preis, dass ich nicht nur einmal beide Hände über meinen Kopf zusammenschlage. Aber Hauptsache es gibt jede Menge likes. Likes, likes, likes. Schön das Ego aufmotzen. Das alles, was ins Internet gestellt wird für immer dort verewigt ist, ist egal. Tittenfotos, Arschfotos, Unterwäschefotos - Leute, ihr habt sie echt nicht mehr alle. Wisst ihr eigentlich, was ihr da tut?!

Aber gut - im WorldWideWeb soll von mir aus jeder machen, schreiben oder denken was er will (Tu ich ja auch. Hrhrhr.). Nur wundern darf man sich dann eben nicht.
Was mich allerdings nervt ist, wenn bei manchen die Grenzen zwischen dem wahren und dem virtuellen Leben verwischen. Erst vor kurzem:

1: “Hast du meinen Status schon gelesen?”
2: “Ich steh doch vor Dir, du kannst es mir auch sagen!”
1: “Nein, du musst es schon liken! Haben schon ur viele geliked!”
2: “Alter, red mit mir - oder lass es sein. Aber ich hol jetzt doch nicht mein Handy raus um via Facebook zu lesen, was du zu sagen hast. Wo simma denn.”
1: “Weißt Du was, Du hast echt keinen Plan was geht. Sobald ich zu Hause bin lösch ich Dich aus meiner Friendslist. Ich stell Dich auf Limited Profile.”
2: “Geht das in Echt nicht auch? Dann muss ich nicht ständig die Gesamtheit deines Scheusals sehen!”

Facebook schön und gut. Ehrlich. Aber ab ‘nem gewissen Punkt isses doch lächerlich.

Ich appelliere eindringlichst, ein bisschen Acht darauf zu geben, wo man welche Prioritäten setzt. Was man von sich wo ins Netz stellt. Welche Informationen man wie preis gibt. Ob es nicht andere Wege und Möglichkeiten gibt, das Ego aufzumotzen. Und ob es unbedingt notwenig ist, jeden einzelnen Schritt den man tut, alles was man denkt und sagt über Plattformen wie Facebook der Allgemeinheit kund zu tun. Der gläserne Mensch 2.0. Großartig.

Naja, ich log mich jetzt mal ein und verteil ein paar Pokes.

Wehe ihr liked meine Seite nicht.

Und an alle WannaBe-Famous-Quadratärsche, MöchtegernModels, IchWärGernFotograf-en und DritteKlasseKünstler da draussen: Es gibt einen Grund, warum euch und eure Scheisse keiner sehen will!

(P.S. Als kleine Notiz am Rande: Model, DJ, Fotograf und/oder Moderator sollen sich bitte jene als Berufsbezeichnung vorbehalten, die davon auch ihre Rechnungen zahlen. Wobei selbst das nicht immer heisst, daß der- oder diejenige weiss, was er/sie da tut.)

Antwort schreiben 42891 Aufrufe gesamt, 1 Aufrufe heute  

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.