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The Fantastic Poor.

20.06.2011 | 2 Kommentare

Liebes Tagebuch!

Wie du ja weißt, neige ich ab und an dazu Dinge anzusprechen, die mir wirklich auf die Nerven gehen. In der Regel versuche ich auch, mich so diplomatisch wie möglich auszudrücken – diesmal werde ich die Diplomatie allerdings außen vor lassen und die Dinge (und die damit verbundenen Herrschaften) beim Namen nennen. Denn ich finde, alles hat seine Grenzen. Los geht’s.

1. Die Sache mit den Biographien und Pressetexten

Na klar – jeder Künstler versucht selbstverständlich, sämtliche Erfolge mit denen er sich schmücken kann in eine schöne schriftliche Form zu bringen. Das dabei an bestimmten Ecken auch ein wenig Übertrieben wird, jo mei. Solange alles in einem adäquaten Rahmen bleibt, meinetwegen. Den Bogen eindeutig überspannt haben allerdings Florian Hereno und „The Box“. Ich zitiere:

„***/// Für das Opening am 4.Juni holen wir uns Star-DJ Florian Hereno aus Ibiza ins Boot (Ibiza - Pacha, London - Ministry of Sound), der auch in Rotation immer wieder bei uns spielen wird. ///***“

So so. Star DJ. Aus Ibiza. Interessant. Ist der Florian Hereno nicht der Resident DJ ausm Kottulinsky in Graz? Ausm Ländle? Oder verwechsel ich das etwa? Wie dem auch sei. Auch den Wahrheitsgehalt und das Zustandekommen etwaiger Gigs im Pacha oder MOS lass ich mal so stehen – erstens, weil es den Rahmen hier sprengen würde, und zweitens, weil ich keine Diskussion darüber entfachen möchte, wie genannte Clubs es finden würden, wenn sie wüssten, dass ein DJ aus Hintertupfingen mit ihren Namen hausieren geht. Karma is a Bitch, what goes around, comes around!

Warum mich sowas generell stört? Ganz einfach: Weil durch solche Pressetexte und Bio’s die Glaubwürdigkeit derer Künstler in Frage gestellt wird, die keine übertriebene Scheisse in ihre Texte schreiben. Ganz einfach. Wenn du als Künstler keine ordentlichen Referenzen angeben kannst um als DJ gebucht zu werden, erarbeite sie dir oder häng den Job an den Nagel – aber schreib keinen übertriebenen Mist über dich.

2. Die Sache mit der Geilheit

Ok. Wir wissen nun, dass ein Großteil mancher Pressetexte und Biographien schlichtweg Bullshit ist. Aber es geht noch besser! Zum Beispiel, wenn man schon so richtigen Scheiss in seinen Pressetext schreibt, angibt wie talentiert, beliebt und überhaupt oberaffengeil man nicht ist, und dann die Party, bei der man als Star angepriesen wird und bei der man auflegt, das komplette Gegenteil beweist. Ich zitiere wieder:

„Sie spielt normalerweise nur in den angesagtesten Clubs Österreichs, Deutschland, Ungarn, Türkei u. Dänemark!! Ihre große Karriere begann im zarten Alter von 18 Jahren in New York (…) Sie ist nicht nur in New York sondern weltweit bekannt. Berlin, Moskau, Dubai, Ibiza – Dominique Jardin ist überall gern gesehen. Und am 08. Juli 2011 wird Sie bei uns in Aurolzmünster an der Seite der “jungen Zillertaler” das Festgelände zum „Beben“ bringen!!!“

Ehrliche Frage: Wenn ich so geil bin, in New York und überhaupt weltweit bekannt und angesagt bin, zwischen Berlin, Moskau, Dubai und Ibiza hin und her pendle – was genau mach ich dann in Aurolzdingsbums?

Doch nicht so groß die Karriere. Blöde G’schicht. Naja, wir wissen ja das nicht alles Gold ist was glänzt. Tja!

3. Die Sache mit der Plattenkritik

Was ist die Aufgabe eines Plattenkritikers? Genau – durch fundiertes musikalisches Fachwissen und einem guten, aber objektiven, Musikgeschmack dem Leser verständlich machen, ob er sich betreffendes Musikstück kaufen oder gar nicht erst anhören soll. Ein Leitfaden sozusagen. Was passiert aber, wenn musikalische Inkompetenz auf den unnachgiebigen Drang ständiger Selbstinszenierung trifft? Lest selbst. Ich zitiere wieder mal:

„Während mein Elian Dust Remix für „Laidback Luke ft. Jonathan Mendelson – Timebomb“ in den kommenden Wochen released werden sollte, dachte ich mir, es könnte nicht von Nachteil sein, noch einen weiteren Track am Start zu haben. So haben mir die Emocean Records Jungs angeboten, doch für die erste Single von Steve und Emil „Wrong Side“ mein Werk beizusteuern. Hört selbst, ist denke ich ganz nett geworden.“

Ähm – Hallo?! Hat irgendwer ne Ahnung, um was genau es bei „Steve Hope & Emil Berliner – Wrong Side / Emocean Records“ nun geht? Sorry DJ Observer aka Elian Dust aka Steelfish aka Wolfgang aka Obsi (Hab ich irgendeinen Namen vergessen? Ich komm da nicht mehr mit.) – aber das kann’s ja wohl nicht sein.

4. Die Sache mit den Plagiaten und der Selbstüberschätzung

Jaja, ich weiss – eigentlich könnte ich alleine mit diesem Thema hier `zig Seiten füllen. Dennoch möchte ich an dieser Stelle eine ganz bestimmte Sache ansprechen, die sich erst unlängst ereignet hat.

Wie viele von euch wissen, findet seit vergangenem Jahr jeden Sonntag zwischen Juni und September „Vagabundos“ im Pacha Ibiza statt, das wöchentliche Clubbing von Luciano – seines Zeichens Wegbereiter für innovative elektronische (House- und Techno-) Musik wie auch Scheffe vom weltweit bekannten Label „Cadenza Records“ (aber wirklich weltweit, nicht wie in Punkt 2 oben). Hier der Flyer bzw. das Artwork von „Vagabundos“:

Das man sich von einer solchen Idee inspirieren lassen kann, klaro. Dafür sind die Herren an der Speerspitze der Musik u.a. ja auch da. Aber man kann’s auch übertreiben. Nämlich so:

Darunter hab ich dann folgendes „Gespräch“ entdeckt – und ich zitiere zum letzten mal heute:

Person X: „sorry aber schon gewaltig von cadenza abgekupfert oder is das mit absicht :)“

Michael Def (aka Def Mike): „Na, klar ist das abgekupfert von Cadenza - die kupfern ja dafür schon seit Jahren unseren Sound ab ;-D“

Also, mal ganz im Ernst: Nicht mal als Scherz ist das lustig. Präpotenz erreicht ein neues Level. Und das ausgerechnet von einem DJ, der noch vor gar nicht all zu langer Zeit im Keller des Ra’mien mit sämtlichen Hits um sich geworfen hat, um die 12 Miezen, die da waren, zu beeindrucken, eigentlich ein 40-jähriger Malermeister ist und sich selbst für Reinkarnation des Soulful House in Wien hält? Und was meint der eigentlich mit „unseren Sound“? Meint er mit „uns“ sich und seine Homies Dennis Ferrer, Karizma oder Quentin Harris? Das ich nicht lache. Aber was’n sonst – kein Plan, nichts erreicht, nichts geleistet, nichts zum Thema beigetragen, aber groß Fresse aufreissen. Kotzwürgspeib!

Summa summarum halte ich folgendes fest: Glaubt nicht jeden Scheiss, versucht ein wenig hinter die Maskerade zu blicken, stellt die maßlosen Übertreibungen mancher Veranstalter und die Selbstinszenierung einiger Herrschaften in Frage – und wenn ihr nicht wisst was ihr glauben könnt, schreibt mir. Ich stelle mein fast unendlich scheinendes Insiderwissen gerne jedem zur Verfügung, den’s intressiert. Keine Geheimnisse mehr, der Ofen ist aus. Außerdem empfehle ich den Diskotagebuch-Eintrag „Der Superlativ“.

Abschließend sei gesagt: Die „Wannabe-Star-DJs“ in Wien sollten sich endlich eingestehen, dass der Zug „Star DJ“ zu werden schon längst abgefahren ist. Fangt an euch mit diesem Gedanken abzufinden, denn wenn ihr mit Mitte dreißig so geil wärt wie ihr tut, wärt ihr doch schon ganz wo anders. Hört auf den Leuten eure Scheiße für Gold zu verkaufen und macht Platz für die, denen es nicht um die Befriedigung des eigenen Egos und dem Drang nach Fame geht – sondern um was wirklich geht: Musik! Egal ob House, Techno, Overground, Underground, Hip oder Hop – wir sind lokale Entertainer, keine internationalen Rockstars. Klar soweit?

In diesem Sinne - Wir sehen uns in der Hölle!

Philipp

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2 Kommentare

  1. cenzi

    @florian from philipp: nur ganz kurz: mich verärgert gar nichts. wer mich kennt weiss, das ich der erste bin, der “neuen” djs gerne unter die arme greift. im gegenteil - ich freu mich das du in wien das ein oder andere mal zum zuge kommst!
    zum thema recherche: ich hab mir dein presskit runtergeladen & all deine infos von oben zur kenntnis genommen. daher hat sich meine kritik auch ausschliesslich auf die box bezogen, denn zu allem anderen kann man dir ausschliesslich gratulieren!
    was meine “horende” gagenforderung angeht: das ist eigentlich auch ein tolles thema fürs diskotagebuch - ich denke ich werd mich dem beim nächsten mal widmen & auch deine anspielung erklären. wenns notwendig ist auch vorrechnen. damits dann auch jeder kapiert. dir hab ichs ja schon erklärt
    nichts desto trotz freue ich mich ebenfalls dich mal wieder auf ein pläuscherl zu sehen - denn wie man unschwer erkennen kann, verstehst du kritik auf einem professionellen level & hast offensichtlich erkannt, das es hier um keine persönlichen fehden geht. so solls sein. liebe grüße einstweilen!

  2. cenzi

    in the Name of Florian Hereno
    sodala..damit auch jeder seinen beirtag leistet und ich ja schließlich wunderbar erwähnt wurde, werde ich mich dieser äußerst interessanten diskussion zumindest teilweise anschließen. Lieber Philipp: zunächstmal gratulation zu deinem “Tagebuch” - finde die idee ja grundsätzlich sehr gut. das einzige was halt doch auch der nachteil an so einer sache mit dem schreiben ist halt - dass man eine doch sehr tiefgehende und genaue recherche betreiben sollte, ehe man zur feder (oder tastatur) greift und diese, wie so vieles im leben, zeit in anspruch nimmt. da ich nun tatsächlich z.B. im Pacha Ibiza aufgelegt habe, wir (du und meine wenigkeit) jedoch sehr wenig kontakt hatten (genau zweimal - aber dazu später), nehme ich es dir nicht übel, dass du an der wahrhaftigkeit meiner gigs zweifelst. was den pressetext der box angeht, gehe ich mit dir zu 100% konform - das stimmt so nicht. Ich bin nicht aus Ibiza und leben auch nicht dort. leider gottes, gibt es promotoren, die gewisse informationen falsch auslegen bzw. auch falsch auslegen wollen (mein bio-text lautet doch anders), und sogar der bitte nach richtigstellung nicht nachkommen - aber ich nehme an, dass ist dir ein deiner laufbahn noch nie passiert - oder es hat keiner bemerkt. und da ich doch für pacha rec. remixe weiß ich sehr genau bescheid über regeln was man wo und wie nennen darf und was nicht - aber auch das kannst du nicht wissen - zumindest nicht mit der art von recherche die du betrieben hast - bzw. ich hoffe du hast welche betrieben. wie auch immer. das ein dj aus dem “ländle” bzw. graz, kottulinsky jetz auf einmal in wien auftaucht mag vielleicht so manchen (dich) wundern bzw. auch (ich unterstelle dir das jetzt mal einfach so) verärgern - was ich sehr schade finde. vorallem nachdem du ja auch schon bei uns im grazer ländle im besagte club kottulinsky spielen wolltest, wir aber deiner horenden gageforderung + hotel etc. nicht nachgekomen sind. aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das da irgendwo mitschwingt. jedenfalls würde es mich freuen, dich wiedermal in wien oder wo auch immer auf eine nette tratscherei zu treffen, damit ich dir für die zukunft die zeitintensive recherche ersparen kann die anscheinend zu diesem äußerst interessanten tagebucheintrag geführt hat - zumindest was meine person angeht. ansonsten: thumbs up für dein tagebuch - denn wo du recht hast hast du recht.

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